Quartalsbericht Winter 2017

Was geschah 2017? Es kam anders als gedacht.

In Europa, natürlich vor allem in Deutschland, herrschte in der ersten Jahreshälfte große Skepsis: Europa stand mit Blick auf sein gedämpftes Wachstum, vor allem aber durch die Drohkulisse möglicher populistischer Wahlsiege in den Niederlanden und Frankreich für unkalkulierbare Risiken, und in Asien schienen die Zeichen auf Stagnation (Japan) bzw. kontrollierte Wachstumsdrosselung (China) zu stehen. Anders in den USA: getrieben durch die vollmundigen Versprechungen des neuen Präsidenten war der Optimismus für die US-Leitbörsen schon früh im Jahr groß.boss

Dann kam es anders: Weder die Rechtspopulistin Marie Le Pen noch Ihr Pendant auf der linken Seite des französischen politischen Spektrums, Jean-Luc Mélenchon, kamen in die Stichwahl zur Parlamentswahl in Frankreich und auch Geerd Wilders aus den Niederlanden bekam nicht den Regierungsauftrag. Die politischen Risiken in Europa verflüchtigten sich einfach. Dafür zeigte sich Im Jahresverlauf, dass viele der im ‚Trump Trade‘ eingepreisten Verheißungen wohl nicht eintreten würden. In Asien präsentierte sich das Wachstum dagegen viel dynamischer als gedacht. Anstatt eines Jahres, in dem Amerika eine dahindümpelnde Welt mühsam mitschleppen würde, erlebten wir eines, in dem Anleger nicht wegen, sondern trotz des merkwürdigen Amtsinhabers im Weißen Haus gerade an den Aktienmärkten Geld verdienen konnten.

Welche Impulse können wir auf der volkswirtschaftlichen Seite für 2018 erwarten?

Die gute Nachricht ist, dass uns dieses positive Wachstumsumfeld auch 2018 erhalten bleiben dürfte. Die EZB präsentierte letzte Woche einen überraschend optimistischen Ausblick, die BIP-Prognose für den Euroraum 2018 wurde von 1,8% auf 2,3% ungewöhnlich kräftig nach oben gesetzt. Auch hierzulande ist die zuständige Zentralbank angesichts der starken Frühindikatoren ein ganzes Stück optimistischer geworden. Die Bundesbank revidierte jüngst die BIP-Schätzung für Deutschland 2018 von 1,7% auf 2,5%. Da braucht es zur volkswirtschaftlichen Unterfütterung eines weiteren ertragreichen Aktienjahres gar kein übermäßiges Vertrauen in die Wirkungen der US-Steuerreform mehr, von der wir angesichts der ungleichen Verteilungswirkungen in der Tat nur sehr moderate Wachstumsimpulse erwarten.

Was bedeutet das für Anleger?

Auch 2018 dürfte die Anlegerwelt also von anhaltend robustem Wachstum in den größten Volkswirtschaften der Welt geprägt sein. Zwar werden wir nicht ganz so viele positive Überraschungen bei Wachstum und Unternehmensgewinnen sehen wie 2017. Andererseits erkennen wir gegenwärtig aber auch nur punktuelle Zeichen von Überhitzung, so dass auch das Risiko eines plötzlichen Konjunktureinbruchs überschaubar erscheint. Der ‚Steady State‘ soliden Wachstums bleibt das wahrscheinlichste Szenario.haende-3

Die Risiken kommen, wie neuerdings häufig, aus der Politik: vergessen wir nicht, dass vermutlich im März in Italien gewählt wird und dass auch in Deutschland die Regierungsbildung nicht abgeschlossen ist. Zwei der drei größten Volkswirtschaften in der Eurozone bleiben damit unsichere Kantonisten. Im Herbst muss zudem der Brexit-Deal für die Umsetzung Ende März 2019 in trockenen Tüchern sein, und am 6. November stehen in den USA Kongresswahlen an. Dazu werden uns Spannungen im Mittleren Osten, Nordkorea und der Ukraine in Atem halten.

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